November 2016 //
„So was von da“

In Hamburg entsteht derzeit die Verfilmung von Tino Hanekamps Kultroman "So was von da". Das am Set im "Rakete Club" entstandene Foto zeigt (v.l.n.r.): Produzent Sebastian Zühr, Regisseur Jakob Lass, Joel Brandeis (Geschäftsführer DCM), Darsteller Mathias Bloech, Koproduzent Florian Schmidt-Prange, Darsteller Bela B., Produzent Benjamin Seikel sowie die Darsteller David Schütter, Niklas Bruhn und Esther Blankenhagel (Leo). "So was von da" wird von DCM in Deutschland und der Schweiz in die Kinos gebracht.

„4 Kings“ has been awarded for best feature Film with LOLA bronze
at the German Film Festival 2016

11/18/2015 // Publikumspremiere in Berlin

10/4/2015 // Premiere beim Filmfest Hamburg


Bis dato stärkster deutscher Film auf dem Filmfest Hamburg: „4 Könige“  

Jannis Niewöhner, Jella Haase, Moritz Leu, Clemens Schick

 

Von beiden Wochenendtagen war der Sonntag der deutlich bessere auf dem Hamburger Filmfest. Gleich Mittags feierte der bis dato stärkste deutsche Film des Festivals seine Premiere. Regisseurin Theresa von Eltz gelang mit ihrem Langfilmdebüt „4 Könige“ ein grandioser Erfolg. Ihre Geschichte von vier Jugendlichen, die das Weihnachtsfest in der Psychiatrie verbringen und dabei sich selbst näher kommen, ist nie belehrend oder verlogen. Wobei die Grundkonstellation erst einmal nicht vielversprechend ist. Die vier Problemfälle wirken zunächst wie Abziehbilder: Da wäre die aufmüpfige und ständig plappernde Lara, die unter ihrer Mutter leidende Alex, das Weichei Fedja, der wie ein geschundenes Reh durch die Gänge schleicht, und der aufgepumpte Schläger Timo mit rasiertem Schädel. Dass „4 Könige“ dennoch nicht im naiven Klischee versinkt, erscheint dabei fast wie ein Wunder. Doch schnell ist die erste Skepsis verflogen.

Jella Haase und Clemens Schick

 

Von Eltz inszeniert angenehm erwachsen und unaufgeregt. Kameramann Kristian Leschner findet stets die passenden Bilder für eine Stimmung, die zwischen Trostlosigkeit, Melancholie aber auch neuem Mut schwankt. Das größte Plus des Films ist allerdings, neben dem ebenfalls überzeugenden Drehbuch von Esther Bernstorff, die tolle Darstellerriege. Durch die Bank schaffen sie es ihren Charakteren Leben und Vielschichtigkeit einzuhauchen. Fast jeder eignet sich mal als Identifikationsfigur um dann gleich wieder Kopfschütteln hervorzurufen. Klares Schwarz und Weiß sucht man hier vergebens. So entwickelt Jella Haase als Lara ihre mittlerweile zum Kult erhobenen Chantal aus den beiden „Fack Ju Göhte"  -Erfolgen erst zwingend weiter um sich später fast ganz von ihr zu lösen und in bestimmten Momenten, wie einer grandiosen nächtlichen Dialogszene auf einer Tischtennisplatte, ungeahnte Einblicke in die Seele ihrer Proletin - aus gutem Hause wohlgemerkt - zu gewähren. Paula Beer, bekannt unter anderem aus „Poll“  und „Das finstere Tall“ , ist die verletzbare und träumerische Alex, die versucht es ihrer Mutter Recht zu machen und sich dabei selbst vergisst. In einer starken Szene, in der sie sich zusammen mit Clemens Schick als der Psychiater, der sich um die vier Gestrandeten während der Festtage kümmert und versucht durch Freiheiten Vertrauen aufzubauen, gemeinsam im Wald die Seele aus dem Leib schreit, sorgt neben dem ebenfalls starken Schick eben Paula Beer für Gänsehaut im Publikum. Derweil hat Moritz Leu (zuletzt auf dem Münchner Filmfest im gefeierten „Nachtmahr“ zu sehen) nicht viel Text um seinen schweigsamen Fedja zu verkörpern. Doch dank seines auf den Punkt genauen Spiels und viel Mut kann er darauf auch bestens verzichten. Dann ist da noch Jannis Niewöhner („Rubinrot“, „Doktorspiele“  ) als Schläger Timo, der aus der geschlossenen Abteilung zur Gruppe kommt. Er lässt in jedem Moment die Wut, die unter seiner Oberfläche brodelt spüren. Mal gewinnt er den inneren Kampf, mal nicht. Vergleiche mit dem brillanten Jack O'Connell in dem in Deutschland leider völlig zu Unrecht unter dem Radar gelaufenen Gefängnisdrama „Starred Up“ (dt. Videotitel „Mauern der Gewalt“) kommen einem in den Sinn.

Jannis Niewöhner, Theresa von Eltz, Jella Haase, Moritz Leu, Clemens Schick

 

Zum Schluss hin, als Timo einen schicksalhaften Gewaltausbruch erleidet, kommt der etwas andere Weihnachtsfilm dann leider ins Schlingern. Nicht nur, dass man sich von Schicks Psychiater Dr. Wolf etwas mehr Fassungslosigkeit und Zweifel in seinem vielleicht doch allzu offenen Umgang mit den Jugendlichen wünschen würde - schließlich bricht man einer Pflegerin, und sei sie noch so unbeliebt, ja nicht alle Tage einfach mal mit einem Kopfstoß das Nasenbein. Auch der Ausflug in die unterschiedlichen Lager der psychiatrischen Lehrmeinungen wird viel zu schnell abgewickelt und wirkt aufgesetzt.

 

Doch dies kann nicht verhindern, dass es sich bei „4 Könige“ um einen weiteres Beispiel für den sehenswerten jungen deutschen Kinos handelt, das hoffentlich auch zu seinem Kinostart Anfang Dezember von sich Reden macht. Und von einer Nominierung für die Endrunde im Kampf um die kommende Lola dürfen die Verantwortlichen auch schonmal mehr als nur träumen. „4 Könige“ ist auf jeden Fall ein Grund, sich auf Weihnachten zu freuen.

Press release //
Theatrical release on 12/3/2015

Press release //
Autistic Disco